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Anton Tschechow
  "Onkel Wanja"
 
Premiere am 23. Januar 2016
     
 
Regie: Carsten Knödler
    Ausstattung: Frank Hänig / Ricarda Knödler / Frank Heublein
     


Jahrelang hat Sonja mit ihrem Onkel Wanja das ihr vererbte Landgut bewirtschaftet, um mit den kargen Gewinnen die Studien und den Lebensunterhalt ihres Vaters Alexander in der Stadt finanzieren zu können. Nun ist der Professor emeritiert und kehrt mit seiner neuen Frau, der jungen und schönen Lena, auf das Gut zurück. Schnell zeigt sich, dass Alexander in all der Zeit nur wenig erreicht hat. Mit seinem "Werk" blendet er allein noch seine Schwiegermutter Maria. Zur alltäglichen Arbeit auf dem Hof kann und will er nichts beitragen. Lena langweilt das Landleben, doch sie fügt sich resignierend in ihre Ehe. Einen ganzen Sommer lang richten sich die Gutsbewohner in einer Gemeinschaft melancholisch-skurriler Außenseiter ein, leben aneinander vorbei und verfallen, träumend von einem besseren Leben, ins Nichtstun. Abwechslung bringen nur die täglichen Besuche des Landarztes Astrow, die aber vor allem der Schönheit Lenas gelten. Doch diese kann und will sich weder auf die Avancen des zynischen Arztes einlassen noch die Bewunderung Wanjas erwidern. Ein Versuch, Sonja mit Astrow zu verkuppeln, scheitert. Obwohl diese ihn glühend liebt, weist der Arzt sie ab. Als Alexander verkündet, den Besitz verkaufen zu wollen, um wieder in die Stadt zu ziehen, sieht Wanja sich seiner Lebensjahre und der Heimat beraubt und wehrt sich. Zweimal schießt er auf ihn. Zweimal schießt er daneben. Der Professor und Lena reisen sofort ab. Astrow bleibt noch auf ein letztes Gläschen, bevor auch er aufbricht und auf dem Landgut wieder der Alltag einkehrt.

Text - Theater Chemnitz !!!

Die Premiere spielten:
Alexander, Professor a.D.
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Wolfgang Adam
Lena, seine Frau in zweiter Ehe
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Pia-Micaela Barucki
Sonja, seine Tochter aus erster Ehe
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Maria Schubert
Maria, Mutter der ersten Frau Alexanders
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Christine Gabsch
Wanja, ihr Sohn
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Dirk Glodde
Astrow, Arzt
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Andreas Manz-Kozár
Telegin, verarmter Gutsbesitzer
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Philipp von Schön-Angerer
 
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KRITIK:

Theaterförderverein

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Brüchige und bittere Wahrheit
Ein nigelnagelneues Stück auf der kleinen und ein Theaterklassiker auf der großen Bühne: Das Chemnitzer Schauspiel wartete am Wochenende mit einem Premieren- doppel auf.

............. So ungewiss die Wahrheit auf der kleinen Bühne bleibt, so bitter stellt sie sich nebenan auf der großen dar. "Onkel Wanja" muss in Anton Tschechows Klassiker, der am Sonnabend Premiere hatte, erkennen, dass er sein Leben einem Menschen geopfert hat, der es nicht wert war. Dabei hat er sein eigenes Glück verpasst.

Ricarda Knödler und Frank Heublein haben Tschechows Antihelden in beinahe farblose Kostüme gesteckt. Hier scheint jegliches Leben schon entwichen zu sein. Allein Sonja, die mit ihrem Onkel Wanja auf dem Landgut für den Lebensunterhalt ihres Vaters in der Stadt schuftete, trägt unter ihrem Kleid ein glutrotes Hemdchen. Doch auch dieses zarte Flämmchen, zerbrechlich von Maria Schubert gespielt, wird wohl bald verglühen.

Der Besuch von Sonjas Vater mit seiner jungen, zweiten Frau Lena auf dem Landgut ist wie ein Spuk. Wanja lässt allen Tatendrang fahren und verfällt in Lethargie, als er bemerkt, dass der emeritierte Professor nicht annähernd so gelehrt ist, wie gedacht. Jeden steckt Wanja mit seiner Schwermut an - selbst den Arzt Astrow (Andreas Manz-Kozár), der seine Ideen zur Rettung der Welt im Alkohol ertränkt. Carsten Knödler macht mit seiner Inszenierung das Leiden der Figuren an ihrem Leben und sich selbst für die Zuschauer förmlich physisch spürbar. Langeweile und Desillusion, Unglück und Provinz sowie zerschellende Liebesversuche lassen alle und alles erstarren. Wie Mehltau legt sich Fatalismus über die Szenerie, die so karg ist (Bühne Frank Hänig) wie das Figuren-Dasein an Ereignissen. Es ist die Frage nach dem Sinn des Lebens, die Knödler hier ausstellt. Dafür reißt er die Handlung aus dem historischen Kontext des Tschechow-Dramas und rückt sie dicht an uns heran.

Die Blicke von Dirk Gloddes Wanja sind oft leer. Da er nun, in seinem Alter, nichts mehr vom Leben erhofft, rettet er sich in Zynismus - oder er zieht sich eine Decke über den Kopf und sitzt starr in der Ecke, als sei er gar nicht da. Der brodelnde Zorn über verpasste Chanchen bricht sich zwar noch Bahn, fällt aber ebenso schnell wieder in sich zusammen. Was bleibt, ist absolute Erschöpfung - für nichts. "Wir werden leben", beschwört Sonja immer wieder. Doch ihre Versuche, ihn zurückzuholen, erweisen sich als zwecklos. Sie rennt verzweifelt gegen die Wände des Hauses an, das zum Ende wie ein Gefängnis wirkt.

Ein plakativer brennender Schriftzug "Ruhe" entlässt die Zuschauer aus dem Abend. Die nun eintretende Stille wird gewiss keinen Frieden bringen, sondern die Figuren von innen heraus verbrennen. Eine Uhr hat keine Zeiger mehr, alle Illusionen sind dahin, Erwartungen gibt es nicht mehr. Tiefe Skepsis bleibt.

Das Publikum dankte mit langem Beifall - vor allem den ausgezeichneten Mimen.

Uta Trinks, Freie Presse, 24.01.2016

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Onkel Wanja Schwere Kost im Schauspiel, am Ende Beifall

Keine leichte Kost, die Schauspieldirektor Carsten Knödler am Sonnabend bei der Premiere von "Onkel Wanja" seinem Publikum vorsetzte. Das Schauspiel von Anton Tschechow in einer modern-philosophischen Inszenierung mit verstörendem Ende wurde vom Publikum minutenlang gefeiert.

In dem exzellenten Ensemble glänzte Dirk Glodde (51) als Wanja. Leicht schnoddrig und weltfremd, aber eloquent mit gut getimten Pointen, mimte er den Titelhelden. Maria Schubert (31) ist seine melancholische und innerlich zerrissene Nichte Sonja. Das eingespielte Landleben der beiden gerät aus den Fugen, als Sonjas Vater Alexander (Wolfgang Adam) den Gutshof als Ruhesitz wählt. Er wird begleitet von seiner zweiten Frau Lena (Pia-Micaela Barucki, 25, als gelangweilte Femme fatale). Durch die Ankunft der Gäste stellt sich der Arzt Astrow (sehr redegewandt: Andreas Manz-Kozár) als Dauergast ein.

Bei der Inszenierung fällt die monotone Farbgestaltung der Kostüme in Weiß-Beige (Kostüme: Ricarda Knödler, Frank Heublein) auf, die die Eintönigkeit des Landlebens versinnbildlicht. Nur wenige rote Farbtupfer sorgten für Abwechslung. Die neuzeitlichen Anklänge wurden bei aktuellen Themen wie Umweltschutz und Klimawandel durch einen Monolog Astrows etwas überzogen.

Victoria Winkel, Chemnitzer Morgenpost, 26.01.2016

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  Erstellt am 26.01.2016