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Yasmina Reza
  "Kunst"
 
Premiere am 18. März 2016
     
 
Regie: Alexander Flache
    Ausstattung: Petra Linsel
    Musik: Marco De Haunt
     


   

Dermatologe Serge hat sich ein Bild gekauft. Ein monochromes Bild mit weißem Untergrund und feinen weißen Streifen. Für eine sechsstellige Summe. Marc ist entsetzt über diese „Kunst-Scheiße“ und äußert das ziemlich deutlich. Serge ist beleidigt, während Yvan, der Dritte im Bunde der langjährigen Männerfreundschaft, zwar irgendetwas in dem Bild zu sehen meint, vor allem aber zwischen Serge und Marc vermitteln will, um die Wogen zu glätten. Das katapultiert ihn allerdings mitten hinein in den Streit seiner beiden Freunde, in dem es natürlich längst nicht mehr um die Kunst geht. Das Bild dient lediglich als Katalysator, um unausgesprochene Befindlichkeiten und gegensätzliche Ansichten, tiefsitzende Vorurteile und oberflächliche Eitelkeiten in einem längst fälligen Gefecht auf den Tisch zu bringen. Offensiv und kompromisslos demontieren die drei die Grundfesten ihrer Beziehung, bis sie sich plötzlich ihren grundverschiedenen Lebensentwürfen gegenüber sehen, die nun ebenso in Frage gestellt werden wie der Fortbestand ihrer Freundschaft.

Text - Theater Chemnitz !!!

Die Premiere spielten:
 
Marc
-
Philipp von Schön-Angerer
Serge
-
Marko Bullack
Yvan
-
Christian Ruth
     

KRITIK:

Theaterförderverein

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Wenn Freunde zu Schnöseln werden
Die "Kunst" von Yasmina Reza wird am Theater Chemnitz als unterhaltsames Wortgefecht ausgekostet. Ist da nicht mehr?

Serge kauft ein modernes Bild: Er liebt den Künstler, er schätzt seinen Marktwert sehr hoch ein, also präsentiert er stolz seinen sündhaft teuren Kauf - ein weißes Bild mit weißen Streifen. So ein Mist? In Yasmina Rezas Stück "Kunst" dreht sich die Spirale der Wortgewalt immer heftiger und sehr zum Entzücken des Publikums am Chemnitzer Schauspiel, wo die Premiere am Samstag gut gelaunt beklatscht wurde. Aber 80 Minuten Verbalschlacht über menschliche Abgründe und Erkenntnisse rund um eine Männerfreundschaft reichen dann auch.

Der Gegenstand des Stücks ist komplex wie das Leben - und die Biografien wie Vorurteile der drei Freunde Marc, Serge und Yvan. Nicht jeder der drei steht auf der Gewinnerseite, glauben die anderen, die sich freilich auf der sicheren Seite wähnen. Nicht einmal die moderne Malerei spielt die Hauptrolle in diesem klugen Stück - sie ist nur Anlass dafür, Ungesagtes unter dem Teppich hervorzukehren. Viel Erkenntnis, nicht immer nützlich, drängt ans Licht, und letztlich steht die große Frage im Raum, ob sie, da sie nun alles voneinander wissen, wohl Freunde bleiben werden?

Denn mit jeder Runde Redeschlacht wird ein neues Fass aufgemacht. Mal ist die zu heiratende Frau von Yvan das Opfer, dann die Gattin von Marc, die Serge noch nie wirklich leiden konnte. Und immer tun sich zwei zusammen gegen den Dritten. Die Versöhnung währt aber nur kurz für die Schnappatmenden, dann geht der Streit von vorn los. Auf Verbalattacken folgen tätliche Angriffe. Zum Höhepunkt wird das Baguette zur Waffe, bei einer Kissenschlacht fliegen die Fetzen.

Es ist eine Herausforderung für die Regie von Alexander Flache, diesen eskalierenden Streit, diese prasselnden Texte ohne nachlassende Spannung auf die Bühne zu bringen. Er begegnet ihr frontal mit klarer Linienführung. Die Bühne in Schwarz, das Streitobjekt ist mit weißen Bahnen angedeutet. Zu den aufeinanderprallenden Meinungen gesellt sich nicht viel: ein Blumentopf, ein Baguette.

Das könnte leicht öde werden - wäre da nicht als Vermittler der bunte, leicht sperrige, naive wie liebenswerte Yvan, der nicht so recht in die sterile Modernität der Snobs passen will. Ihn plagen Zukunftsängste, weil er einer ungeliebten Arbeit im Papierladen nachgeht. Christian Ruth transportiert in dieser Rolle das eigentliche Drama, denn es bleibt offen, ob dieser verhuschte, wenig intellektuelle Mann seine schlauen Freunde auch künftig mit vermittelnder Liebenswürdigkeit beeindrucken kann: Ja, Kinderfreundschaften können auch auseinanderbrechen, wenn Freunde zu Schnöseln werden.

Philipp von Schön-Angerer spielt dagegen als Marc recht sicher auf der Klaviatur des Kumpeltyps, der gefährlich demagogische Züge annehmen kann. Der Figur bekommt diese Tiefe recht gut. Ebenso überzeugt Marco Bullack mit seinem Kunstfreund Serge als ein feinnerviger Ästhet, dem der Blick aufs Grobe abhanden gekommen ist.

 

Marianne Schultz, Freie Presse, 20.03.2017

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Im Schauspielhaus streiten sich drei Männer

„Kunst" gehört zu den erfolgreichsten Theaterstücken der französischen Autorin Yasmina Reza. Die preisgekrönte Komödie aus dem Jahr 1994 feierte am Samstagabend im Schauspielhaus Chemnitz Premiere.
„Für diese Scheiße hast Du 200.000 bezahlt?": Marc, gespielt von Philipp von Schön-Angerer, ist völlig fassungslos, dass sich sein Freund Serge (Marko Bullack) ein weißes Bild mit weißen Streifen gekauft hat, und macht sich über den stolzen Kunstbesitzer lustig. Für Serge ist das Bild nicht einfach nur weiß: Er sieht darin Grautöne und sogar Rot, wenn auch ein sehr blasses. Während Marc uneinsichtig bleibt, versucht Yvan (Christian Ruth), der Dritte im Bunde, zu vermitteln. Gerangel und Handgreiflichkeiten lassen sich nicht vermeiden.
Nur oberflächlich gesehen geht es um Kunst. Vielmehr dient das weiße Bild als Katalysator, um tiefsitzende Vorurteile auf den Tisch zu bringen. Der Zuschauer ist von den Charakteren hin-und hergerissen, denn es ist fast unmöglich, sich auf die Seite von diesem oder jenem im Trio zu schlagen. Wer von ihnen recht hat, bleibt offen.

Sabine Leppek, Chemnitzer Morgenpost, 20.03.2017

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  Erstellt am 22.03.2017