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Weihnachtsmärchen nach Wilhelm Hauff in der Bühnenfassung von Andreas Rehschuh
  "Kalif Storch"
 
Premiere am 19. November 2016
     
 
Regie: Andreas Rehschuh
    Ausstattung: Thomas Weinhold, Grit Walther
    Musik: Gundolf Nandico
     


   

Der mächtige Kalif Chasid von Bagdad ist sonntäglicher Stimmung. Da erwirbt er von einem Kaufmann ein magisches Pulver. Es kann jeden in ein beliebiges Tier verwandeln und verleiht die Gabe, die Tiere zu verstehen. Voller Neugier schleichen der Kalif und sein Großwesir aus dem Palast bis zu einer Wiese. Dort angelangt, entdecken sie ein eigentümliches Storchenpaar. Bald ist der Zauberspruch aufgesagt und ein Reißen und Zerren fährt ihnen durch die Knochen. Die Beine werden lang und länger, der Hals, er wächst und wächst, der Mund wird spitz und spitzer und aus der Haut sprießen flauschige Federn. Der Kalif schmunzelt, als er seinen Großwesir auf roten Storchenbeinen herumstolzieren sieht. Zugleich aber dringen neue, unbekannte Klänge an sein Ohr. Plötzlich versteht er das Gespräch der beiden Störche. Das ist so komisch, dass er lauthals lachen muss. Ein Fehler, wie sich herausstellen wird. Denn von nun an hat er den notwendigen Zauberspruch vergessen, um sich wieder in seine menschliche Gestalt zu verwandeln. Als Storch muss er fortan durch die Lüfte ziehen, bis er den bösen Zauberbann mithilfe einer schönen Prinzessin brechen kann.

"Kalif Storch" erinnert an die Geschichten, die Scheherazade so wunderbar in "1001 Nacht" erzählte. Dennoch entstammt das Märchen der Feder eines Deutschen, des Romantikers Wilhelm Hauff (1802-1827). Neben den Brüdern Grimm und Hans Christian Andersen zählt er zu den bedeutendsten Märchenerzählern des 19. Jahrhunderts. "Der kleine Muck", "Zwerg Nase" und "Das kalte Herz" üben bis heute ihren unwiderstehlichen Reiz auf Kinder wie Erwachsene aus. Mit "Kalif Storch" entführt Hauff in den fernen Orient, einen fantastischen Ort voller Wunder und Magie. Im Zentrum der Handlung steht ein neugieriger und mutiger Held, der wegen seiner Sorglosigkeit und Naivität arglistig getäuscht wird und der sich rettet, weil er lernt, jemandem zu vertrauen.

Text - Theater Chemnitz !!!

Die Premiere spielten:
 
Kalif Chasid
-
Stefan Migge
Großwesir Mansor
-
Marko Bullack
Prinzessin Luna / Störchin / Alte Frau
-
Seraina Leuenberger
Dschinni
-
Philipp von Schön-Angerer
Zauberer Kaschnur
-
Andreas Manz-Kozár
Sohn des Zauberers Mizra / Storch
-
Johannes Bauer*
 
* Student der Anton Bruckner Privatuniversität Linz
 

KRITIK:

Theaterförderverein

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Der Orient als Sehnsuchtsort!
Mit Wilhelm Hauffs "Kalif Storch" stellt sich ein romantisches Märchen von 1826 der heutigen Zeit. Es wird gerappt und gelacht, und Flüchtlinge bekommen in Bagdad eine neue Heimat.

Was wäre, wenn alles andersherum wäre? Wir wären Flüchtlinge und der Orient das Ziel? Regisseur und Autor Andreas Rehschuh stellt in seiner Lesart von "Kalif Storch" am Schauspiel Chemnitz genau diese Frage, und "Mutabor" heißt das erlösende Zauberwort, was heißt: "Ich werde verwandelt werden". Es ist zugleich die Triebfeder des Stücks. Am Ende des Märchens werden sich alle verändert haben: Der übermütige Kalif ist etwas reifer geworden, sein Wesir noch klüger, die Prinzessin glücklich, denn sie ist nicht mehr auf der Flucht, weil die Europäerin in einem fremden Land mit fremden Sitten und Minarett angekommen ist. Das Premierenpublikum zeigte sich begeistert über diesen Umgang mit dem Flüchtlingsthema fürs Kinderzimmer.

Denn der Nachwuchs ist ja keineswegs unberührt von der aktuellen Wandlung durch Flüchtlinge in Kindergärten und Schulen, im neuen Miteinander mit den Zugezogenen. Hierfür bietet das Märchen eine brauchbare Folie, auch wenn 1826 von all dem keine Rede sein konnte. Es erklärt aber in der Inszenierung, warum es manchmal nötig ist, sein Land zu verlassen und in der Fremde Freunde zu finden. Und so wird aus der indischen Prinzessin Luna bei Wilhelm Hauff (1802-1827) ein europäisch geprägtes, selbstbewusstes Mädchen, das die Hosen anhat, das sich nicht verstecken will und das auf Augenhöhe mit dem bösartigen Zauberer zu reden wünscht.

Der gesteht ihr zwar zu, schön zu sein, aber gefährlich für seine Machenschaften, und schon findet sie sich verwandelt in eine hässliche Eule wieder, die nur von einem Kalifen erlöst werden kann, wenn er sie liebt und sich zu ihr bekennt.

Schlüssig wird das Ganze durch Dschinni. Wieder hat Schauspieler Philipp von Schön-Angerer die Figur des Jokers inne. Er lotst gleich in Doppelgestalt mit einer Puppe, Prinzessin Liebling, durchs Spiel, erklärt das Was und Wo und Warum und scheut keine Anstrengung, den guten Kalifen zu warnen vor dem Zauberpulver des durchtriebenen Kaschnur. Nur sieht und versteht der ihn nicht.

Kalif Chasid ist bei Schauspieler Stefan Migge zuerst ein kerniger Draufgänger, der Spaß will. Flott, ein bisschen frech und sehr jungenhaft, rappt er durchs Leben, springt sogar die Wände an, treibt allerlei Unsinn mit seinem klugen Wesir Mansor, der bei Marko Bullack ein gemütlicher, leicht verfressener, trotzdem weiser väterlicher Freund ist. Der schlanke Bullack, einstiger Tänzer, steckt in einem Riesen-Brokatkostüm mit wackeligem Riesenbauch. Dicke werden nicht geschont, das scheint inzwischen Konsens. Etwas in den Hintergrund gerät das Eigentliche: Der Herrscher kann als Storch endlich hören, was die Tiere miteinander sprechen, und seine geballte Neugier auf Wahrheit stillen. Diese Szene im Tierreich bleibt aber ziemlich blass und ohne Folgen. Denn andere Schwerpunkte werden gesetzt durch die Frau mit Kopftuch, die für ihre Kinder Brot beim Bäcker mitgenommen hat und nun als Diebin angeklagt wird, eine schreiende Ungerechtigkeit. Erhellt wird die dunkle Nacht von einer schmalen, liegenden Mondsichel, dem (türkischen) Halbmond. Der glitzernde märchenhafte Orient ist nur angedeutet. Ein Minarett, eine Goldkuppel genügen. Dieser Sehnsuchtsort wird weniger mit der Romantik bei Hauff verknüpft als mit dem an Bodenschätzen und Treibstoff reichen Land der heutigen Zeit.

Der Dichter Wilhelm Hauff ist nur 25 Jahre alt geworden und war ein Kind seiner Zeit. Man verehrte die Kultur des Ostens. Vielleicht hätte er sein Märchen heute anders verfasst. Heutiges Theater aber sucht nach Antworten auf heutige Fragen, und diese Inszenierung formuliert sie treffsicher und kindgerecht, nämlich die, warum Menschen überall gleich sind in ihren Sehnsüchten nach Frieden und Geborgenheit, und warum sie sich tapfer gegen Feinde wehren müssen.
Das Stück

Das Märchen "Kalif Storch" nach Wilhelm Hauff entführt Kinder ab fünf Jahren in den Orient. Dorthin musste Prinzessin Luna fliehen, doch sie ist nicht allein, Dschinni ist ihr treuer Begleiter. Als sie die Pläne des bösen Zauberers Kaschnur belauscht, der den Kalifen entmachten will, um mit seinem dummen Sohn die Herrschaft zu übernehmen, wird sie ertappt. Kaschnur verwandelt Prinzessin Luna in eine hässliche Eule - und bald auch den furchtlosen und gerechten Kalifen Chasid und seinen Großwesir in Störche. Jetzt ist guter Rat teuer. Retten kann sie nur das Zauberwort - und die Liebe des Kalifen.

Marianne Schultz, Freie Presse, 21.11.2016

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"Kalif Storch" flattert durchs ausverkaufte Schauspielhaus

Das Theater hat am Sonnabend das erste Weihnachtsgeschenk ausgepackt: "Kalif Storch" nach Wilhelm Hauff zog bei der Premiere im Schauspielhaus (Zieschestraße) die Besucher in seinen Bann.

Stefan Migge spielt den Kalifen als Rockstar aus dem Orient, der auch mal einen Breakdance hinlegt. Anfangs überheblich, macht er im Laufe des Stücks eine Verwandlung durch und erkennt noch rechtzeitig seine Verantwortung. Der böse Zauberer wird eloquent und intrigenspinnend von Andreas Manz-Kosár dargestellt. Abgerundet wird die Inszenierung von Philipp von Schön-Angerer als Dschinni, der als Erzähler durch die Aufführung führt.

Andreas Rehschuh hat das Märchen rasant, humor- und fantasievoll inszeniert und die Welt von Tausendundeiner Nacht zum Leben erweckt. Kostüme und Bühne (Grit Walther/Thomas Weihnhold) erstrahlen dabei überwiegend in Gold.

Chemnitzer Morgenpost, 21.11.2016

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Stille Nacht und viel Schauspiellust
Weihnachten ins Theater - wenigstens das bleibt wie eh und je.

Die aktuelle Märchenproduktion des Chemnitzer Schauspiels ist wirklich erlebenswert. Das beginnt schon beim zauberhaften Bühnenbild von Thomas Weinhold und endet nicht bei den gewitzten Kostümen von Grit Walther. Dafür sorgt er schon, der Regisseur Andreas Rehschuh. Er selbst hat die Bühnenfassung nach Wilhelm Hauff geschaffen und nicht versäumt, eine echte Familienproduktion daraus zu machen. Da freuen sich Kinder über die schöne Geschichte von der taffen Prinzessin aus der Fremde, die sich in einen tollen Prinzen verliebt, der allerdings ein bisschen arrogant ist und noch eine Lektion braucht. Die bekommt er vom Zauberer Kaschnur, der ihn und seinen Großwesir in Störche verwandelt, nachdem er zuvor aus der Prinzessin eine hässliche Eule gemacht hat - nur um selbst der mächtigste und böseste Herrscher der Welt zu werden und seinen Sohn zum Kalifen zu machen. Doch wie das so ist, siegt letztlich mal wieder die Liebe.

Eltern und Großeltern sehen dagegen die Geschichte von der taffen jungen Frau, die aus der Heimat flüchten musste und sich nun im Orient in einen tollen Kerl verliebt, der allerdings ein bisschen arrogant ist und noch eine Lektion braucht. Die bekommt er von einem grässlichen Menschenverachter, der ihn und seinen Freund ins Tierreich verbannt, nachdem er zuvor aus dem Mädel eine hässliche Eule gemacht hat - nur um selbst der mächtigste Herrscher der Welt zu werden und seinen dummen Sohn zum Despoten zu machen. Doch letztlich siegt nicht nur die Liebe, sondern auch die Klugheit.

Dazu gibt's allerhand Theatereffekte, wie sich das halt für eine richtige Märchenproduktion gehört, einen großartigen Flaschengeist mit kleinem Freund, viel Übertreibung und Witz, aber auch allerhand leise Erinnerungen an das Verbindende unter den Menschen: das Herz - egal, ob in Liebe oder Freundschaft oder Gemeinschaft. Dazu lässt dass Ensemble in jeder Sekunde spüren, dass es Spaß an .dieser Geschichte hat und an der Art, mit der Regisseur Andreas Rehschuh zugleich heiter und ernst erzählt. So ist diese Inszenierung eine dringende Empfehlung auch über Weihnachten hinaus.

Jenny Zichner, Stadtstreicher Chemnitz, 12. 2016

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  Erstellt am 02.12.2016